schuldgefühle? nein danke!

Schuldgefühle? Nein danke!

Schuldgefühle, Gewissensbisse, irgendwie hast Du innerlich immer im Kopf, Du seist der Auslöser für alle möglichen Dinge. Doch stimmt das auch? Und ist das wirklich angenehm?

Auf beide Frage sage ich direkt: nein.

Nehmen wir mal an, Du hast Streit mit Deinem Partner. Ihr missversteht Euch, vielleicht verletzt Ihr Euch und dann ist erst mal Schweigen im Walde. Beide dampfen so vor sich hin, beruhigen sich nach einer Weile. Und was passiert bei Dir innen drinnen?

Du hast ein mächtig schlechtes Gewissen.

Oder auf Deiner Arbeit entdeckt Deine Chefin einen Fehler. Du bist Dir sicher, dass Du Deine Arbeit fehlerfrei abgegeben hast. Doch innerlich zweifelst Du an Dir.

Und machst Dir Schuldgefühle.

Nächstes Beispiel. Es findet eine Party statt, die eigentlich auch erst ganz gut läuft. Doch dann kippt irgendwo die Stimmung. Und was machst Du?

Du denkst, es liegt an Dir.

Oder irgendwie hast Du ein schlechtes Bauchgefühl und bringst etwas zur Sprache, in der Schule, im Kindergarten, auf der Arbeit, ganz egal. Es ist gut und richtig, dass Du Deiner inneren Stimme gefolgt bist. Später jedoch sind alle irgendwie komisch drauf und schauen Dich merkwürdig an. Was fühlst Du?

Wieder einmal: Gewissensbisse.

Manchmal entstehen auch Situationen in einem Gespräch. Du sprichst einfach nur authentisch von Deinen Gefühlen, gibst ein möglicherweise kritisches, aber wichtiges Feedback. Dein Gegenüber zuckt zusammen und macht zu. Die Stimmung kippt. Innerlich zieht es sich in Dir zusammen. Deine Gedanken?

Ich bin schuld daran, dass der Andere sich jetzt schlecht fühlt.

Was haben alle diese Beispiele gemeinsam?

Wir erleben zwischenmenschliche Interaktionen, mit einem Austausch von Aktion und Reaktion. Das sind ganz normale Vorgänge für jeden von uns. Man redet. Es gibt Verstehen, aber auch Missverständnisse. Das alles ist relativ normal.

Gehen wir einmal davon aus, Du agierst nach bestem Wissen und Gewissen. Du bist freundlich und zuvorkommend, oft liebevoll und manchmal eben auch schlecht drauf. Du machst Fehler wie jeder andere auch.

Doch: jedes Mal hast Du nach Deinen Handlungen ein wirklich doofes Gefühl im Bauch. Du siehst Dich als Verursacher des Leids der Anderen. Schuldgefühle genannt.

Grundlagen der Kommunikation

Bevor wir da aber ansetzen will ich noch kurz einmal einen Ausflug machen in die Welt der Kommunikation. Das ist spannend und wirklich interessant. Am besten gefällt mir da das Vier-Ohren-Modell von Schulz von Thun und eines der fünf Axiome von Paul Watzlawick.

Das Vier Ohren Modell geht in der Kommunikation von einem Sender und Empfänger aus. So weit, so gut. Es besagt dann weiterhin, dass der Empfänger auf eine Äußerung des Senders auf vier verschiedene Arten dieselbe aufnehmen und reagieren kann.

Die vier Ohren lauten: Selbstoffenbarung, Sachverhalt, Beziehung und Appell.

Ein Bespiel dazu. Ein Mann und eine Frau fahren zusammen zu Freunden. Er fährt. Wir wissen nicht, ob sie gerade entspannt sind oder nicht. Sie stehen an einer roten Ampel, die dann auf grün schaltet.

Die Frau sagt: Die Ampel ist grün.

Auf diese Art könnte der Mann das Gesagte aufnehmen:

Sachinhalt: Die ist Ampel ist grün.

Beziehungsohr: Wieso bist Du noch nicht losgefahren?

Appellohr: Jetzt fahr` doch endlich los.

Selbstoffenbarung: Ich bin ungeduldig und will endlich weiter.

Hier sind vier Facetten angegeben für ein sehr simples Beispiel. Man stelle sich jetzt nur andere Situationen vor, mit mehr Äußerungen – und schon sieht man, wie sich sie Interpretationsmöglichkeiten vervielfachen. Du siehst: Kommunikation ist sehr komplex.

Nur 9% geht über den Inhalt

Paul Watzlawick hat ebenfalls Grundsätze der Kommunikation verfasst unter dem Stichwort Kommunikationsaxiome. Ein besonders schönes und hervorstechendes finde ich: “Man kann nicht nicht kommunizieren. Was durch die doppelte Verneinung sich erst einmal chaotisch anhört, heißt einfach, dass egal, ob ich spreche oder nicht, eine Kommunikation stattfindet. Auch Schweigen ist damit eine Art der Kommunikation.

Er geht dabei von einer Sach- und Beziehungsebene aus. Zur ersten zählen Zahlen, Daten und Fakten, zur zweiten Werte, Gefühle und Meinungen. Und dazu gibt es einige interessante Zahlen: in unserer Kommunikation findet 30% auf der Sachebene statt und 70% auf der Beziehungsebene. Und dann: 55% der Äußerungen werden von der Körpersprache transportiert, 36% über Tonlage und Stimme – und nur 9% geht über den Inhalt.

Was kann da nicht alles schiefgehen zwischen uns Menschen!

Ich finde das ungemein spannend. Vor allem, wenn ich in Situationen bin und denke, mensch, warum versteht der Andere mich gerade nicht? Und das, obwohl ich mir mit meiner Art der Wortwahl so eine Mühe gebe? Da kann man doch wirklich einmal drüber nachdenken.

Doch was hat das alles jetzt mit dem Thema Schuldgefühlen zu tun?

Guter Einwand. Und auch hier möchte ich einmal reinschauen, was es denn mit den Schuldgefühlen auf sich hat.

Der Duden sagt dazu:

Schuldgefühl, das: subjektives (meist objektiv nicht nachvollziehbares) Gefühl eines Menschen, eine Schuld auf sich geladen zu haben.

Was ich mit meinen Erklärungen zu Kommunikationstheorien zeigen wollte, ist, dass wir alle immer das verstehen, was wir verstehen – weil wir selber der Empfänger sind. Es kann also jederzeit und andauernd zu Missverständnissen kommen. Und das gilt für jeden.

Wir haben also ein Ohr dafür, aus allen um uns herum das herauszuhören, was mit uns zu tun hat – und wir haben eben auf einer der Ebenen unser Schuld-Ohr an.

Manchmal sagen wir etwas Verletzendes oder machen einen Fehler, da tragen wir natürlich Verantwortung für unser Verhalten. Daraus eine Schuld zu machen, die uns in unseren Augen fehlerhaft werden lässt, ist da etwas ganz Anderes.

Warum also haben wir ein Schuld-Ohr?

Ja, das ist natürlich eine sehr gute Frage.

In uns haben wir alle Vorgänge abgespeichert, die wir jemals erlebt haben. Das muss so sein, denn durch unseren Erfahrungsschatz können wir kraftsparend immer wieder darauf zurückgreifen und quasi in einem Bruchteil von Sekunden auf eine Situation reagieren.

Aus meiner Beobachtung und meines Wissens heraus, sind Schuldgefühle aus zweierlei Dingen entstanden.

Zum einen sind wir Menschen soziale Wesen mit gewissen zwischenmenschlichen Regeln. Unser Gewissen hilft uns dabei quasi, zu erkennen, wenn wir mit unserem Verhalten andere verletzt haben. Es ist unser inneres Messinstrument für menschliches Verhalten.

Zu zweiten können übermäßige Schuldgefühle – die, die laut Duden objektiv nicht nachvollziehbar sind – noch aus nicht abschließend erlebten und aufgeklärten Erfahrungen stammen, vor allem aus unserer Kindheit.

Wie erleben wir das als Kinder?

Kinder lernen über die Jahre komplexes menschliches Denken, Handeln und Fühlen. Je nach Alter sind sie somit nicht so reif, dass sie die Verhaltensweisen der Beteiligten reflektieren und verstehen können. Dazu bedarf es der Hilfe der Erwachsenen.

Gleichzeitig sehen sie sich oft noch als Nabel der Welt, d.h., sie selber sehen nur ihre – nennen wir es jetzt lieber einmal so – Verantwortung.

Überleg’ mal, wenn Du Streit hast – wie denkst Du dann? Wirst Du sauer auf den anderen, weil Du Dich angegriffen fühlst, oder überlegst Du dabei direkt noch, wie es Deinem Gegenüber geht? Also wenn Du das machst – Dich nicht gleich angegriffen fühlst und Mitgefühl für Dich und den Anderen hast – dann bist Du echt weit gekommen. Doch sieht das nicht meistens eher anders aus?

Ein Wort gibt das Andere… jetzt stellen wir uns das mal als Kind vor. Und dann schauen wir auch einmal darauf, wie es wirkt, wenn die Eltern zum Beispiel gereizt reagieren, das Gesicht verziehen, vielleicht sogar schreien? Na?

Ganz genau: ich als Kind denke dann, oh Mann, Mama ist echt sauer auf mich, ihr geht es schlecht meinetwegen, ich bin schuld an ihrer Laune… Das ist vereinfacht ausgedrückt und wird sich möglicherweise auf eine Dir ganz eigene Weise passiert sein. Die Variationen davon sind unendlich.

Worum es geht, ist, dass ich beschließe, dass ich für die Laune und das Leid des Anderen verantwortlich bin.

Hier einige Beispiele:

  • Ich bin verantwortlich, dass…
  • Mama schlechte Laune hat
  • der Papa uns verlassen hat
  • ich so alleine bin
  • es Mama schlecht geht

Ich bin verantwortlich für alles hier

Teilweise ist das auch ein wenig größenwahnsinnig.

Jetzt tausche Verantwortung gegen Schuld aus. Und jetzt spinn’ die Geschichte weiter, wenn es niemanden gab, der mit Dir darüber so gesprochen hat, dass die Verantwortung, die Du in Deinen Augen trägst, nicht bei Dir liegt.

Das kommt übrigens in den besten Familien vor und ist keine grobe Absicht der Eltern. Solcherlei Sätze überlegen die Kinder sehr schnell und bei regelmäßiger Wiederholung wird das schön abgespeichert.

Was heißt das jetzt für uns?

Je nachdem, was wir erlebt haben, können diese ungeklärten Schuldgefühle uns auf Dauer das Wasser abgraben. Wenn wir darin verharren, einfach, weil wir es so trainiert haben, dann machen wir das natürlich auch noch als Erwachsene.

Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht. Doch nach meiner Erfahrung nach kann das ganz schön verunsichern. Schuld zu sein fühlt sie nie als richtig ist, d.h., es könnte sein, dass wir so empfinden, dass wir nicht in Ordnung sind.

Und jetzt kommt’s

Nun die Frage aller Fragen: stimmt das denn auch?

Allein sich dies zu sagen, sollte schon ein kleines Aha auslösen. Du kannst das im Übrigen zum Beispiel auch bei Byron Katie nachlesen. Sie hat mit ihren vier Fragen auch diesen Weg aufgezeigt. Ich mache das hier auf meine Weise, aber das ist mir gerade eingefallen. Zum Beispiel hier:  Lieben was ist. Wie vier Fragen Ihr Leben verändern können“>*

Zurück zur Frage: stimmt das denn, dass ich für die Reaktionen der Anderen verantwortlich bin, für die Gefühle, Launen und all das?

Die Antwort lautet: nein.

Es ist nicht ganz einfach, das richtig zu verstehen, denn allzu gerne wollen wir gerne unsere Verantwortung abgeben. Zum Beispiel in Streitereien. Am liebsten möchten wir doch dem Anderen die ganze Schuld geben und tun das auch oft und gerne. Doch: wer ist denn so wirklich, wirklich für unsere Innenwelt verantwortlich? Na klar! Wir selber.

D.h. nicht, dass wir dem Anderen nicht sagen sollen, ob ein Verhalten verletzend für uns war. Wir müssen dadurch auch nicht alles entschuldigen. (Im Übrigen auch nicht jede unserer Handlungen, aber dazu gleich mehr).

Um es aber noch einmal deutlich zu sagen: in erster Linie sind wir nur allein für uns selber verantwortlich.

Noch zwei Mythen

Und jetzt möchte ich Dir noch etwas Wichtiges sagen, ein weiterer Irrglaube, dem wir anhängen.

Hast Du jemals etwas getan, was dem Anderen so wirklich und richtig geschadet hat? Ich frage Dich: denkst Du, Du seist böse? Die meisten Menschen, denen ich mit dem Hang zu Schuldgefühlen begegnet bin, haben nie etwas wirklich Schlimmes getan. Im Gegenteil, meistens sind sie sehr freundlich, teilweise zu freundlich und lassen sich mehr gefallen als das sie sich wehren. (Was übrigens auch nicht unwichtig ist – Stichwort eigene Grenzen ziehen)

Klar, zwischen Menschen kommt es immer mal wieder zu Reibereien und kleinen Verletzungen. Und im Streit weiß man eigentlich, dass man jemanden, den man liebt oder gerne hat, eigentlich nicht verletzten soll – und aus der Verletzung heraus tut man es dann trotzdem. Dafür sollte man auch Verantwortung übernehmen.

Aber hörst Du heraus – zwischen dem Geradestehen für seine Taten und dem sich selber Niedermachen durch innere Schuldzuweisungen besteht ein großer Unterschied.

Und was können wir jetzt tun?

Ich stelle noch eine Frage: warum also sind wir selber so, dass wir uns selber schlechtmachen für Sachen, die gar nicht in unserer Verantwortung liegen? Oder wenn wir im Streit ungerecht sind, so richtig durch das Tal der Schuldgefühle waten?

Vergeben wir uns doch unsere Fehler. Wahrlich: Fehler machen ist unangenehm. Doch was ist schlimmer: Fehler zugeben und dafür geradestehen oder die ewigen Schuldgefühle?

Aber: alle Menschen machen Fehler. Wirklich, alle. Nur aus denen lernt man, und wer keine macht, um zu lernen, der ist… ja, was? Ein halber Mensch? Es ist echt traurig, manchmal zu erleben, wie wir als Erwachsenen mit Fehlern umgehen – und daraus zu lesen, wie wir das mit den Fehlern von unseren Eltern gelernt haben.

Seien wir fehlerhaft! Seien wir unvollkommen und lebendig! Das ist es. Wir können es heraushören. Es geht um: Selbstliebe. Kannst Du mir folgen? Den Weg, den ich über die Kindheit hierin genommen habe? Schuldgefühle, die wir früher entwickelt haben, zeigen doch, wie wir empfinden: wir denken, wir sind fehlerhaft, mit uns stimmt was nicht. Wir verursachen schlechte Laune… ja, Mensch. Das ist einfach wahrlich traurig.

Wir wollten und wollen doch nur geliebt werden! Und die Überzeugung, dass wir das irgendwo nicht sein könnten, verursacht… Schuldgefühle.

Doch ich wiederhole: vergeben wir uns dafür. Vergeben wir uns auch den Irrglauben. Senden wir unsere Liebe dorthin, wo es wehtut. Und als Erwachsene rücken wir doch mal unsere Eigenverantwortung an den richtigen Platz.

Fragen wir uns:

  • Stimmt das denn, dass ich Schuld habe?
  • Was habe ich wirklich gemacht, wofür ich Verantwortung übernehmen sollte?
  • Möchte ich mir wirklich so wenig nahestehen, dass ich mich selber so nicht akzeptiere?
  • Will ich mich nicht selber einfach mal ganz dolle liebhaben? (Wer denn sonst, wenn nicht ich?)

Passen wir auch auf unsere Gedanken auf. Wenn die sich verselbständigen, können diese Fragen uns doch wieder in die Realität zurückholen. Viele Schuldgefühle sind nur da, weil wir uns Geschichten ausdenken aufgrund unserer angelernten Glaubenssätze.

Und wegen der Liebe…

Manche sagen an dieser Stelle, dadurch, dass wir als Kinder der Schöpfung in Liebe entstanden sind, können wir ja nur Liebe sein… was hältst Du davon?

Ich kenne Dich vielleicht nicht persönlich, aber ich kenne Dich durch unsere Verbindung als Schwestern im Geiste, und deshalb sage ich Dir: Du bist liebenswert, genau so, wie Du bist. In all Deiner herrlichen Unvollkommenheit namens Menschsein. Bitte gewähre Dir also genau dieses Geschenk Deiner eigenen Liebe.

Aus ganzem Herzen

P.S.: Und falls Dich mehr interessiert, dann melde Dich gern bei mir an. Einfach rechts eintragen und schon bekommst Du meine Liebesbriefe.

P.P.S.: Und kennst Du schon meine kreative Arbeit oder nicht? Klick mal hier.

 

 

 

 

*Dieser Artikel enthält Affiliate Links.

Durch deinen Klick auf einen Affiliate Link kannst du DeineMagie unterstützen. Wenn du auf einen Affiliate Link klickst und über ihn einen Kauf tätigst, dann erhält DeineMagie eine Provision. Dir entstehen keine zusätzlichen Kosten.

**Als Amazon-Partner verdient DeineMagie an qualifizierten Käufen.

Beitrag teilen: