Gesunder Egoismus

Denkst Du etwa auch immer nur an andere?

Ein Plädoyer für einen gesunden Egoismus

Dies wird ein Text darüber, sich selber einen gesunden Egoimus zu gönnen und öfters mal an sich selber zu denken. Quasi zum Auftanken, um dann weiblich kraftvoll für andere da zu sein.

Aber ich greife vor.

Manch eine Frau kennt es sicherlich, wenn nicht gar die meisten. Versorgen, sich kümmern und für alle da sein ist in uns drinnen – und bei vielen sehr oft sich dabei selber zu vergessen auch. An einen gesunden Egoismus denken wir oft also gar nicht.

Kennst Du das vielleicht? Du gehst einkaufen und denkst daran, was für den Mann zu kaufen, für die Kinder… und wenn Du dann draußen bist, merkst Du, dass Du nichts für Dich selber geholt hast. Du hast da einfach nicht daran gedacht.

Also ich hatte das schon öfters. Zuhause angekommen dachte ich dann, was habe ich eigentlich gemacht? Und warum denke ich immer an die Anderen, aber nie an mich selber?

Die weibliche Liebe zum Dienen

Dienen, das klingt nach Königen und ihren Bediensteten, aber nein, das meine ich damit gar nicht. Es geht nicht um eine Beziehung von „oben nach unten“ und ich als Frau stehe unten. Sondern es geht darum, dass wir als Frauen eine wunderschöne weibliche Eigenschaft haben, mit der wir dafür Sorgen möchten, dass es den Menschen um uns herum gut geht.

Das kann verschiedene Ausprägungen haben, und zwar in verschiedene Richtungen: zum einen den Grad, zum anderen die Art.

Was meine ich damit?

Bei der Art dieser Eigenschaft kann es sich folgendermaßen zeigen:

  • Kümmern um das Kindswohl
  • Sorgen für die Nahrung der Lieben
  • Sauberkeit und Ordnung zuhause
  • Kümmern um das seelische Wohlbefinden in Form von Mitgefühl und Zuwendung
  • Gemütlichkeit zuhause

Und natürlich macht eine jede von uns das in der einen und anderen Form und Intensität. Für die Kinder, den Mann, die Freunde, die Familie…

Das ist in uns drinnen, macht Spaß und bringt auch (meistens) Freude. Warum schreibe ich also diesen Text?

Die Kehrseite des Ganzen

Diese Eigenschaft kann aber auch eine Schattenseite haben, wie eingangs angedeutet. Und da ich das bei sehr vielen Frauen schon beobachten konnte, will ich dem hier etwas Aufmerksamkeit verschaffen.

Denn hast Du das bei Dir schon erlebt, dass Du immer versuchst, es den anderen wohlig, gemütlich und angenehm zu machen, nur Dir selber viel zu wenig bis gar nicht? Oder Du tust und tust und tust – und stehst dann da mit leerem Akku?

Ein Beispiel, das wohl die meisten Frauen kennen… Muttersein.

Ich liebe es, Mutter zu sein. Ich sehe mein Kind an und freue mich über ihn. Wie er wächst und gedeiht.

Doch wie die meisten Mütter bin ich da auch in ein paar Fallen getappt. Ich würde sie die „Ich-meine-es-zu-gut“-Falle nennen. Es fing damit an, dass ich natürliches Stillen wollte, sowie es mein Kind braucht. Das würde ich auch immer wieder so machen. Zusätzlich dazu lebe ich Familienbett und andere bindungsfördernde Dinge. Kennt Ihr das Buch  „Das Kontinuum-Projekt“ von Joan Liedlow? In diesem Buch geht es um natürliches, bindungsnahes Aufwachsen. Allerdings wird das anhand einer indigenen Gemeinschaft geschildert. Ich wollte das so gerne anwenden – und wenn es geht, perfekt.

Ich habe mich mit allem maßlos überfordert!

Vor allem mit dieser Falle Nummer 1: alles perfekt machen wollen. Meine eigenen Erwartungen an das Muttersein waren definitiv zu hoch.

Und ich habe jahrelang einfach nur das gemacht – und dabei Falle Nummer 2 erwischt: ich habe fast nur an mein Kind und gar nicht an mich gedacht. Bitte versteht mich nicht falsch. Natürlich ist es so, dass wir Eltern für die Pflege des Kindes und seinem Großwerden voll verantwortlich sind. Das bleibt ganz einfach nicht aus und ist absolut natürlich.

Aber was ich meine, ist, dass ich dabei einfach nicht darauf geachtet habe, wie es um meine eigene Kraft steht. Ich hatte keine Balance zwischen diesen beiden Polen.

Von einem gesunden Egoismus war ich meilenweit entfernt.

Doch nicht nur dort gibt es die eine oder andere Falle.

Stichwort Beziehung

Nehmen wir doch auch die Liebesbeziehungen. Wie oft habe ich versucht, es dem anderen recht zu machen? Um auch hier Klarheit zu schaffen: natürlich möchten wir, dass es unserem Partner gut geht, wir verwöhnen ihn, wir kümmern uns um ihn. Ich spreche hier eher davon, dass wir aber auch hier kippen können.

Wir nicht deutlich machen: das wünsche ich mir, das brauche ich. Und dann fragen: könntest Du das für mich machen?

Beispiel: er hat viele Termine und in der nächsten Woche einen Tag frei. Sie hatte an diesem Tag aber schon was mit einer Freundin vor. Sie steht vor einem Dilemma: sollen wir eine Woche warten, um Zeit mit dem Mann zu verbringen, oder nicht? Solange warten, nein, das geht doch nicht. Also schaufeln wir uns da freie Zeit (und sagen der Freundin ab)… und machen das regelmäßig. Andersherum? Nein, denn wir lieben es ja, dass unser Partner so konsequent bei sich bleibt.

Und ich? Nein, ich habe mich gerne verfügbar gemacht, denn ich liebe ja das Beisammensein so sehr. (Man könnte auch sagen, ich kann mich nicht so gut abgrenzen).

Eigentlich ist das eventuell ein Muster in den meisten unserer Beziehungen. Wir fühlen heraus, was der andere braucht – und das geben wir dann.

Das klingt hier alles etwas negativ, ich weiß. Doch mal ehrlich: wenn wir immer und immer wieder so agieren und reagieren, ist es das denn nicht auch?

Wo bleibt denn nun unser gesunder Egoismus?

Ein gesunder Egoismus

Worum es mir hier bei allem geht, ist darauf hinzuweisen, dass wir eine Komponente endlich ganz bewusst beachten sollen: nämlich uns selber in dieser Gleichung nicht zu vergessen.

Ganz, ganz wichtig.

Alles, worüber ich bis jetzt nämlich geschrieben habe – alle unsere Handlungen – sind absolut in Ordnung, sogar weiblich schön, wenn wir dabei auch einfach auf uns achten.

Und zwar täglich. Immer wieder.

Wieder ein Beispiel.

Ich hatte echt mal derbe Schlafprobleme. Richtig ätzende Schlafprobleme. Und die möchte ich natürlich nicht mehr haben, ist klar. Auf gar keinen Fall. Das habe ich zu einer Priorität für mich gemacht, denn wenn ich gut schlafe, dann bin ich einfach besser drauf.

Logisch, oder?

In unserem Familienbett hat jeder eine Matratze. Und mein Kind schläft in der Mitte. Ich habe also meinen eigenen Space. Ich schiebe meinen Sohn auch einfach mal zur Seite. Klar, da kann man sagen, Du bist doch aber die Mama und das Dein kleiner Sohn, da musst Du doch das aushalten, wenn er sich nachts immer wieder auf Dich legt und damit aufschreckt. Also, ja, manchmal ist das okay – und manchmal schiebe ich ihn wieder zur Seite. Wir schlafen ja nebeneinander. Er hört mich atmen, wir kuscheln… es kommt da niemand zu kurz. Und trotzdem: ich will dabei auch einfach mal ruhig schlafen. Hier habe ich endlich einen gesunden Egoismus für mich entwickelt.

Das ist gut für meine Gesundheit. Genau! Meine.

Oder ich habe lange immer auf seine ständigen Wünsche des Spielens reagiert… ja, immer! Ob ich Lust hatte oder nicht. Ob ich müde war oder nicht. Doch jetzt, nach ein paar Jahren, mache ich das nicht mehr so. Ich spiele gerne – aber eben nicht immer. Ich kann das einfach nicht so permanent. Ich brauche zwischendurch auch was Anderes, was für Erwachsene.

Cool rumsitzen zum Beispiel!

Was, das hört sich jetzt aber nicht so an, wie wir Frauen und Mütter sein sollen… bitte immer verfügbar, freundlich, lächelnd und immer gut drauf. Bitte immer geben, geben, geben, denn das ist es, was wir Frauen am besten können.

Wie war das noch mit dem Sprichwort: geben ist seliger als nehmen?

Dazu noch eine Prise merken, wie es dem anderen geht und was er braucht… Bei Kindern, okay, ja, aber ansonsten…

Denken wir bitte, bitte auch an uns. An unsere Kraftreserven. An das, was wir für uns brauchen. Eben an einen gesunden Egoismus.

Das ist gesund.

Ich breche eine Lanze

Und mit all diesem jetzt möchte ich eine Lanze für zwei Dinge brechen.

Die Erste.

Ich finde, das unseren weiblichen Eigenschaften – zu denen auch das Dienen gehört – etwas ganz Wunderbares sind, die wir Frauen mit unserer Schönheit, unserem Sanftmut, mit Hingabe und Leidenschaft aufs Wunderbarste in uns tragen. Sie gehören bewundert und verehrt – und wir sollten stolz darauf sein.

Das ist eine große Sache, ein Plus, eine wahre Stärke!

Die Zweite…

Denken wir dabei aber auch an uns! Daran, nicht nur zu geben, sondern auch zu nehmen. Zu empfangen. Für uns selber da zu sein. Andere zu bitten, für uns da zu sein.

Denn so können wir dann auch den Spagat halten zwischen dem Aufopfern und einem kraftvollen Versorgen.

Und wie sieht das in der Praxis aus?

Es ist wie bei den meisten meiner Themen, die ich anspreche. Zuerst kommt das Erkennen und Annehmen, dann das Andersmachen. Und nein, auch für mich ist das oft nicht leicht.

Zum Beispiel könntest Du, um einen gesunden Egoismus zu leben…

  • bei Deinem nächsten Einkauf als erstes überlegen, worauf Du selber Lust hast
  • bei Deiner nächsten Verabredung darauf achten, einen für Dich angenehmen Treffpunkt auszumachen
  • überlegen, ob Du nicht mal in die Sauna oder zur Massage willst oder was Dir sonst noch gut tun würde
  • prüfen, ob Dein Schlafplatz muggelig ist
  • mehr über Deine eigenen Bedürfnisse sprechen und sie adressieren

Und vor allem auch: Deine eigenen weiblichen Eigenschaften in die Arme nehmen, respektieren, gut finden. Und Dich dafür liebhaben. (Dazu könntest Du noch hier nachlesen – wenn Du magst.)

Denn Du bist liebenswert, wunderbar und wertvoll.

In Liebe

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