Ich stehe in der Umkleidekabine eines großen, sehr bekannten Modeladens und probiere neue Sachen an. Ein schickes T-Shirt, ein Schlauchkleid, ich weiß noch nicht genau.

Ich schaue in den Spiegel und denke…

Nicht über die Kleidung nach. Sondern ich denke, man, meine Gesichtsfarbe sah aber auch schon mal frischer aus. Und die Dellen an den Oberschenkeln sind ja furchtbar. Und wie sitzen meine Haare bloß!

Und schon ist der ganze Spaß mit dem Anprobieren vorbei.

Und auch wenn jede Frau weiß, dass die Beleuchtung einfach in jeder einzelnen Filiale scheußlich ist und wirklich nicht das Beste aus einem herausholt…

So lasse ich mich doch von der Freude und dem Spaß durch dieses elende kritische Geplapper ablenken.

Kommt Dir das bekannt vor? Oder bist Du schon eine von den starken Frauen, die darüber hinwegsehen können und sich eh immer in Ordnung und toll finden?

Bei Letzterem: gratuliere, das ist echt wirklich wunderbar.

Ich nehme aber mal an, Du gehörst zur ersten Kategorie, sonst würdest Du das ja hier nicht lesen.

Kann aber auch sein, dass Du in ganz anderen Momenten den inneren Kritiker hörst, den eine jede von uns hat andere Erlebnisse, in denen Unsicherheiten, wenn nicht gar Gemeinheiten, getriggert werden.

Ich kenne leider wenige Frauen, die sich nicht an irgendeinem Punkt selber innerlich kleinreden, gemein zu sich sind, sich kritisieren.

Das ist so schade – und daher ist mein heutiger Artikel dem inneren Kritiker gewidmet.

Der innere Kritiker

Wie sieht es eigentlich aus mit Deinem inneren Kritiker, der plappert und plappert? Und lässt er sich beruhigen, abstellen, besänftigen – oder anderweitig positiv annehmen?

Ich sage ganz deutlich: ja!

Denn wäre es nicht eine schöne Vorstellung, wenn Du diesen inneren Kritiker, den Du in Dir hast, beruhigen könntest?
Ich wollte fast schreiben „zum Verstummen bringen“. Das hört sich erst einmal vielleicht gut an, doch möglicherweise
bringt man damit auch andere Anteile in sich zum Schweigen, die wirklich zu einem gehören und wichtig sind.

Wer ist denn DEIN innerer Kritiker? Weißt Du das schon? Und weißt Du, was Du tun kannst, um ihn zu entkräften?

Dann folge mir…

Er setzt sich in meinen Augen aus vier großen Teilen zusammen – und wenn Du die kennst, wird es interessant.

Ich werde hier von außen nach innen vorgehen…

Die vier Teile des Kritikers

1

Als erstes wäre da die Beeinflussung von außen. Dazu gehören Medien in jeder Form – Filme, Zeitungen, Werbung und andere Bilder, die uns Frauen ein Bild vorspielen, wie wir zu sein haben.

Dazu gehören auch Schönheitsideale, die subtil auf uns einwirken.

Kennst Du das?

Du gehst wie oben beschrieben in einen Laden, um ein Kleid anzuprobieren, das an einem Model auf einem Plakat todschick aussah – und an Dir… eben nicht so. Du bist frustriert. Du siehst in diesem furchtbaren Licht in der Umkleidekabine jede Delle und jede Stelle, die Du an Dir nicht perfekt findest.

Uaaah, ich hasse das… und es tut mir innerlich weh.

2

Als zweites gibt es einen Anteil im inneren Kritiker, der von Personen aus Deinem engeren und weiteren Umfeld entstanden ist. Ich zähle dazu nicht die Eltern, denn das sind Menschen, die durch die Nähe zu uns noch eine besondere Stellung einnehmen.

Dazu gehören Freunde, Bekannte, eventuell Großeltern, aber auch Menschen, die man nur kurzzeitig trifft, auf Partys, im Laden, usw.

Auch wenn man diese Leute teilweise nur wenig um sich hat, kann es sein, dass unser Unterbewusstsein genau zuhört, wenn die etwas zu uns sagen – sozusagen einen wunden Punkt treffen.

Auch das trifft unser Innerstes.

3

Dann gibt es noch die Eltern. Manche Frauen haben liebevolle Eltern, manche eher weniger. Doch alle schaffen es auf irgendeine Art unsere kritische Stimme zu befeuern, denn wenn wir Kinder sind, dann hören wir auf unsere Eltern, die eben noch so viel machtvoller sind als wir.

Das ist zu einem Großteil sogar normal.

Es gibt allerdings auch hier Stimmen, die sich stark verankern und oft die nachhaltigste Wirkung auf uns haben – und das auch lange in unserem Leben.

Wieder ein Anteil, der uns Kraft und Liebe raubt.

4

Als vierten und letzten Teil unserer inneren Kritik komme ich dann zu unserem inneren Kind.

Das ist der rezeptive Teil, der Dinge gehört hat – und sie als Wahrheit für sich abgespeichert hat.
Kinder nehmen alles für bare Münze. Das ist bei uns allen so gewesen.

Bei vielen Frauen kann ich aber heute sehen, dass Ihnen wie mir Menschen gefehlt haben, die sie positiv verstärkt haben.
Ich kann auch sehen, dass Verletzungen gespeichert wurden und immer und immer wieder abgerufen werden.

Hier ist der Aufbau von wirklich gutem Selbstvertrauen und einer liebevollen Stimme erschwert bis (aber wirklich nur fast) unmöglich.

Und möchtest Du jetzt wissen, ob Du nicht doch etwas tun kannst, um hier aufzuräumen und Dich besser zu fühlen?

Natürlich! In jedem Falle!

Als erstes dazu ein paar Worte von mir aus meinem Herzen an Dich:

Ich sehe Dich, Du wunderbare Göttin.
Dein Körper und Du, Ihr seid wunderschön.

Ich möchte Dir sagen, dass ich Deinen Schmerz und den Kraftverlust, den man braucht, um seine Rollen zu erfüllen, sehr, sehr gut kenne.

Und diese Worte möchte ich Dir vermitteln, damit auch Du sie in Dir trägst – und nicht nur die Kritik.

Es gibt vier praktische Schritte, die Du anwenden kannst, um dem inneren Kritiker die Macht über Dich zu nehmen.

Was kannst Du also praktisch tun?

Es gibt hier vier magische Schritte:

  • Anerkennen
  • Akzeptieren
  • Kontrollieren
  • Neu-Programmieren

Klingt zu technisch?

Dann folge mir…

Anerkennen

Horch in den nächsten Tagen immer mal wieder in Dich hinein – und komme diesen Stimmen auf die Spur. Höre sie Dir an und drücke sie nicht gleich weg. Das erscheint auf den ersten Blick sehr leicht, da sich aber manche kritischen Punkt gut verstecken – wir Menschen wollen ja nicht verletzlich sein und unsere Schwachpunkte deutlich zeigen – so heißt es hier aber, geduldig zuzuhören.

Ohne Urteil.

Und trotzdem: höre Dir selber einfach mal gut zu.

Hast Du sie gefunden?

Das ist ein guter erster Schritt zum Anerkennen und Bewusstwerden, das etwas da ist. Der erste Schritt, um aus diesem Hamsterrad auszubrechen.

Akzeptieren

Der nächste Schritt ist relativ schnell getan. Er ist auf den ersten Blick einfach… Nimm den inneren Kritiker an, wie er ist. Schau ihn Dir nur an, ohne etwas zu tun. Richtig: tue… gar nichts. Auch keinen Widerstand.

Wenn Du magst, kannst Du in Schritt 1 und 2 auch einen Stift zur Hand nehmen und aufschreiben, was Dir auffällt. Das ist gute Forscherarbeit und kann bei späteren Übungen noch verwendet werden.

Jetzt weißt Du schon, wie sich das anhört, es ist nicht mehr nur unterschwelliges Flüstern, sondern klar geworden. Dann wendest Du Dich dem nächsten Schritt zu.

Kontrollieren

Sobald Du wieder Kritik vernimmst, sagst Du Dir „Halt! Ich will das jetzt nicht hören!“ – oder welches Wort oder welcher Satz hier für Dich gut ist. Du bist bei Dir zuhause und Du musst nämlich nicht alles zu Ende denken, was Dir einfällt. Vor allem nicht, wenn es immer Sachen sind, die Dir wehtun, gemein sind oder Dich kritisieren. Und vor allem musst Du auch nicht alles glauben.

Neu-Programmieren

Zu guter Letzt ein weiterer revolutionärer Schritt: Neu-Programmieren.

Weißt Du, wie Du anderen Menschen Komplimente machst? Mach das genau so auch für Dich! Du bist immer mit Dir zusammen, also sei Dir selber am nächsten.

Das könnte folgendermaßen aussehen:

  • Ich finde mich schön
  • Das Kleid finde ich heute wunderbar an mir
  • Meine Haare fallen heute besonders schön
  • Der blaue Schal lässt meine Augen strahlen
  • Heute habe ich aber gut zu mir gestanden

Es sollte schon sehr positiv sein. Anfangs mag es Dir gestellt und komisch vorkommen, das ist normal. Sage dann einfach etwas Abgeschwächteres zu Dir, womit Du in dem Moment besser zurechtkommst.

Wichtig ist auch: es soll Spaß machen und Freude bringen. Und zwar mit Leichtigkeit.

Wie kleine Kinder, die laufen lernen, gilt auch hier: Übung macht den Meister. Also: wiederholen, wiederholen, wiederholen, damit es auch in allen Schichten verankert werden kann.

Auch wenn das mühsam erscheinen mag, so lohnt sich das auf jeden Fall.

Denn wer möchte nicht einfach gut zu sich sein, liebevoll sanft – und dadurch einfach glücklicher leben?

Eben: wir alle.

Solltest Du an dieser Stelle tiefer gehen wollen, dann empfehle ich Dir, einfach mal meinen Kurs „Erwecke die Göttin in Dir (M1) – wie Du die Denkweise einer Göttin entwickelst” anzuschauen. Das ist tiefes, stärkendes Wissen, um noch mehr Göttinnenkraft zu entwickeln.

Ich wünsche Dir viel Freude auch an diesem Teil Deines inneren Wachstums.

Denn denk dran:

es ist Dein Leben.

Du bist immer bei Dir, also sei Dir am nächsten – wie Deine beste Freundin.

Du bist wertvoll.

Sei liebevoll zu Dir. Sanft. Gut. Aufmerksam.

Allein Du weißt nämlich am besten, was Du brauchst, wonach Du Dich sehnst, was du Dir wünscht. Gib es Dir.

In tiefer Liebe

 

 

 

 

 

P.S.: Ein kleines Buch, dass mir zu dem Thema sehr gut gefallen hat: Selbstmitgefühl entwickeln: Liebevoller werden mit sich selbst (Achtsam leben)

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