Mitten im Traum fährt Bewusstsein in mich rein. Hinter halb geöffneten Gliedern sehe ich Licht hinter den Vorhängen. Ist es schon hell – oder doch noch Dämmerung? Ohje, es ist früh, viel zu früh…

Mein Sohn dreht und wendet sich. Ich hoffe und bete, bitte schlaf noch einmal ein.

Er robbt zu mir rüber, will kuscheln. Ich hoffe und bete ein zweites Mal, bitte schlaf wieder ein.

Aber nein, ich kann es an seiner Atmung spüren. Er ist wach. Der Tag geht gleich los.

Zu verfrühter Stunde – für mich.

Für ihn – genau richtig.

Sein Papa liegt daneben und bekommt von dem Aufwachszenario nichts mit. Sein Atem geht ruhig weiter.

Manchmal. Oder nein: des Öfteren, werde ich etwas wütend, weil er noch schläft – und ich nicht. Das Mama-Gen lässt mich alles hören. Das ist ja auch gut und richtig.

Aber zu dieser frühen Stunde… stöhn. Ächz.

Stand das irgendwo im Kleingedruckten beim Schwanger werden? Nö.

War ich als Kind auch so? Ja. Ich erinnere mich entfernt daran, meine Mama ebenfalls zu dieser scheußlichen Zeit wachgemacht zu haben.

Jetzt bin ich also dran, das von der anderen Seite zu erfahren, als Mama…

Kennt Ihr’s? Fühlt Ihr Euch auch so?

Ja, bestimmt.

Und doch will ich mit diesem Artikel auf etwas Anderes hinaus…

Denn vorher… die ganze Nacht… war es ruhig.

Keine Störung. Kein “Mama, ich habe Durst.” Kein “Mama, ich muss mal.” Kein “Mama, ich hab Angst.”

Denn: wir schlafen zusammen in einem Familienbett.

Dieser Artikel ist also für all die Eltern, die es verinnerlicht haben, dass Kinder früh selbständig sein müssen und all das.

 

Dieser Text soll ein Hymne sein an: das Familienbett.

 

Der Anfang zeigt nur: viele Eltern haben Frühaufsteher-Kinder und das wird auch das Familienbett nicht ändern.

Aber: Familien, die im Familienbett schlafen, werden ruhigere Nächte haben.

Das ist meine Erfahrung, nach wie vor. Und mein Kind ist 3.

 

Warum zusammenschlafen?

 

Vielleicht haben es einige schon gelesen… Babys und Kinder – Menschenkinder – sind ihrem Wesen nach immer noch darauf gepolt, bei denjenigen zu schlafen, die gefährliche Tiere vertreiben könnten. Heißt: bei Mama und Papa.

Natürlich sind unsere heutigen Zeiten nicht mehr von dieser Gefahr bedroht, das wissen unsere Sprösslinge aber so gar nicht. Ihr Programm ist ein archaisches, und daran ändern auch moderne Selbständigkeits-Theorien, die in unserem Land so wichtig sind, sowie Schlaftrainings überhaupt nichts.

Warum nur sollen gerade die Kleinsten auch alleine schlafen, wenn es Mama und Papa nicht tun? Das geht einfach nicht in meinen Kopf rein.

Zusammenschlafen ist also eine Frage der Sicherheit, Geborgenheit, Verbundenheit – für die Kleinen und für die Großen.

Als ich schwanger war, habe ich mir darüber Gedanken gemacht. Ich habe ein Babybett gekauft. Als ich meinen Sohn geboren hatte, kam es ihm – und mir – nicht mal annähernd in den Sinn, dieses Bett auch zu verwenden. Immer, wenn ich es probiert habe, hat er so geweint. Ich habe es einfach nicht über mein Herz gebracht, ihn da alleine liegenzulassen, wenn er doch einfach nur bei mir, bei meinem Geruch nach Milch, bei meinen Titties liegen wollte.

So einfach war das…

Manchmal aber auch nicht: denn natürlich fehlte mir Schlaf, und der Un-Rhythmus meines Babys hat mir sehr viel Kraft abverlangt.

Wir haben zu dritt sogar in zu schmalen Betten geschlafen. Zusammen, zusammen, zusammen…

Nach einem Jahr des Stillens mit nächtlicher Milchbar habe ich sie geschlossen und bin zeitweise ausgezogen. Für meine geistige Versehrtheit.

Aber mein Partner war immer bei unserem Kind. Es ist nachts nach wie vor jemand bei unserem Kind.

Und das wirklich Tolle ist: wir schlafen durch. Quasi: immer.

Ausnahmen sind natürlich Fieber oder andere Krankheiten, die so selten sind, dass man schon davon sprechen kann, dass wir fast immer durchschlafen.

Es ist schön. Es ist sicher. Es ist Verbundenheit.

Jetzt höre ich schon die Frage: und was ist mit der Sicherheit?

Was ist denn mit der Sicherheit?

 

Gegner des Familienbetts sprechen immer von der Sicherheit. Von plötzlichem  Kindstod. Vom Draufrollen in der Nacht.

Leute, mal ganz provokativ gefragt… was haben wir Menschen denn über Jahrtausende gemacht? In Zeiten ohne Heizung? In Zeiten von Gefahren?

Erinnert Euch!

Genau: zusammengeschlafen! Zusammenschlafen bedeutet Nähe, Sicherheit, Wärme. Es ist das Natürlichste auf der Welt.

Und bei wem schlafen denn die Babys am meisten? Genau: bei der Mama. Denn die ist am Anfang des Lebens der Stern am Baby-Himmel. Wir haben die Babys geboren, sie sind noch wir, wir gehören zusammen wie sonst nur Pech und Schwefel.

Natürlich habe ich keine dicken Kissen und all sowas gehabt, okay, das war mein Eingehen auf die Sicherheitsfrage. Aber da ich jeden Piep gehört habe und wach war, wenn irgendwo ein Laut kam, war die Sache mit dem Draufrollen einfach nicht gegeben.

Das bedeutet Vertrauen und fühlt sich gut an.

Mein Mann war anfangs nicht so überzeugt und schlief auf einer anderen Matratze neben uns. Nach einem halben Jahr, auf unserem Trip nach Spanien, schliefen wir sehr eng zusammen – und es war okay.

Mit den Jahren ist es so, dass unser Sohn die Nähe zum Papa sogar sucht, da der so schön warm hält. Kopf an Kopf – mein Mann komisch verrenkt – liegen sie dann und schlafen.

Mein Herz geht auf. Ich muss dann lächeln – und in mich reinlachen, weil die beiden aber so herzig lustig zusammenhängen. (Unser Sohn klaut ihm fast immer das gesamte Kissen…)

Doch das Wichtigste – noch einmal – ist: unser Sohn fühlt sich wohl. Und sicher.

Es ist übrigens nachzulesen, dass Familienbetten den plötzlichen Kindstod weniger wahrscheinlich machen. Also ganz das Gegenteil von dem, was viele Ärzte und andere schlaue Leute uns weismachen wollen.

Es ist einfach toll, was für ein prachtvoller Kerl unser Nachwuchs ist. Sicher, ohne Angst. Offen, frei.

Und gibt es Nachteile?

 

Ja, doch, es gibt auch Nachteile.

 

Wenig Platz. Verrenktes Liegen. Das Gefühl, immer in Beschlag genommen zu sein.

Aber eins nach dem anderen…

 

Platz.

 

Ich kann auch sagen, dass es toll ist, wenn man in einem Bett liegt und sich hinlegen kann, wie man will.

Ich bin inzwischen sogar ein sehr sensibler Schläfer. Neuerdings bin ich mal wieder ausgezogen auf eine eigene Matratze. Raus.

Warum?

Wegen lauten Schnarchens.

Nicht: weil es zu eng ist.

Wir haben mit unserem Baby in Spanien eine Zeitlang auf 1,36m geschlafen. Hart, aber es ging.

Dann ging es auf 1,60m plus Babybett, letzteres wurde nicht genutzt. Es war also wieder eng.

Zurück in Deutschland hatten wir dann 1,80m. Immer noch eng. Wieder mit Babybett, das jetzt ab und an genutzt wurde.

Verrückt ist, dass selbst so ein kleiner Mensch quer liegen und somit den meisten Platz einnehmen kann. Ihr wisst, wovon ich spreche.

 

Verrenktes Liegen

 

Verrenktes Liegen ist also neben zu wenig Platz wirklich ein Problem.

Inzwischen sind wir auf drei Matratzen mit jeweils 90cm – jeder hat seine eigene Matratze – und trotzdem rückt uns unser Kleiner auf 270x200cm auf die Pelle.

Übrigens: die Idee dazu hatte ich von einem guten Blogartikel. 

Wir haben es uns einfach gemacht mit drei Rollrosten und drei Matratzen. Es gibt aber auch die hochwertigen Varianten wie das Ecolignum | Familienbett Como (340270) | 270×200 cm. | Massivholzbett Erle Vollholz | Natur (unbehandelte Oberfläche) | Super-Size Bett und das Original-RIMA-Familienbett

Wenn sein Köpfchen neben meinem auf dem Kissen liegt und ich gar nicht mehr weiß, wohin mit meinen Händen und Armen, naja, dann fluche ich manchmal innerlich. Inzwischen schiebe ich ihn durchaus mal weg, um wieder bequem zu liegen. Manchmal bleibe ich so, denke, Mist, wie soll ich denn jetzt wieder schlafen… und schnorchel weiter.

 

Und schließlich: das Thema “immer zusammen sein”.

 

Seid Ihr vielleicht so Seelen wie ich – hochsensibel, mit Rückzug und Alleinsein als lebenswichtiges Element?

Ja?

Gut! Das ist ein wichtiges Thema.

Ich brauche Alleinsein. Oft. Täglich.

Früher – vor der Familienzeit – war ich viel allein. Ich vermisse das.

Das ständige Zusammensein ist also nicht normal für mich.

Und genau da liegt “das Problem”: der Konflikt zwischen altem und neuem “Leben”. Vor einiger Zeit las ich genau dazu einen Artikel – dass man in den Momenten, in denen Mutterschaft einem ordentlich was abverlangt oder sogar überfordert – man von seinem früheren “freien” Leben träumt.

Ja, das ist richtig.

Es ist genau das, was mir Familienleben schwermacht – der Gedanke an das, was mal war. Mir ist bewusst geworden, dass ich das selber zum Problem mache bzw. gemacht habe.

Ich bin jetzt Mama, habe das Abenteuer begonnen. Da ständig mit zu hadern und zu jammern macht es nur schlimmer.

(Nene, ich sage nicht, dass das Jammern nicht auch zwischendurch seinen Platz hat und notwendig ist.)

Alleinsein ebenso. Auszeiten sind wichtig und nehme ich mir. Das sollte jeder.

Doch im Familienbett zusammen zu sein, seinem kleinen Kind oder den Kindern den sicheren Hafen zu bieten, ist so wertvoll heutzutage, dass ich mein Hadern über Bord geworfen habe.

Und auch das Positive sehen will… Der Moment beim Einschlafen, wenn ich den Körper meines Kindes an mir spüre… nach einem langen Tag, nach Gezeter und Gewüte die Ruhe kommt… der kleine, warme Körper, der voller Vertrauen dort bei Dir einschläft… das ist mein absoluter Lieblingsmoment. Reines Vergnügen. Himmlisch. Ich liebe es.

An alle Mütter und Väter… ich sage es Euch: vergesst, was irgendwo steht, irgendwer sagt. Hört auf Euer Gefühl.

Alleine schlafen lassen tut den Kindern weh. Ist bequem für die Eltern.

(Natürlich gilt für jede Familie etwas anderes. Und guter Schlaf für die Eltern ist ebenso wichtig, damit alles gut läuft.)

Aber wir sind Eltern geworden, weil wir alle es wollten. Haben es romantisiert und was nicht alles. Ja, es ist auch Arbeit. Es ist auch anstrengend. Es macht müde und ko und vieles mehr.

Es ist aber auch: reich an Leben. Gefühl. Liebe. Verbundenheit.

Und bringt uns wieder zum Thema Menschsein und Menschlichkeit.

Wir können mit unserer Art, für unsere Kinder da zu sein, wirklich etwas für die Welt tun.

 

Leben. Gefühl. Liebe. Verbundenheit.

 

Im Familienbett.

Ich liebe es.

Abschluss-Anmerkung… dieser Text ist rein subjektiv und meine Meinung. Jeder darf für sich etwas ausprobieren. Ich schreibe über die ersten drei Lebensjahre. Und ja,

ich denke, es kann sich auch bald etwas ändern. Aber bis hierhin empfinde ich das so.

Es ist auch ein Plädoyer, unmenschliche Erziehungsmethoden der Vergangenheit, die für uns so normal geworden sind, zu hinterfragen.

Für die Kinder. Für uns. Für die Welt.

 

Leben. Gefühl. Liebe. Verbundenheit.

 

Wohlige Nächte

und

alles Liebe

 

 

 

 

 

 

 

 

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