Burnout, welch modernes Wort, das in aller Munde ist. Ein wirklich ungemütlicher Bursche.

Der Duden sagt dazu:

Burn-out, Burn­out, das

(Psychologie) Syndrom des Ausgebranntseins, der völligen psychischen und körperlichen Erschöpfung

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es mich jemals treffen könnte. Eigentlich betraf es auch immer andere. Und dann, während meiner ersten Jahre als Mutter, ereilte es mich. Und später noch einmal, etwas abgeschwächt.

Darüber möchte ich heute schreiben. Darüber, wie es sich anfühlt. Wie die Tage damit verlaufen. Was man tun kann und was trotz aller Meinungen nicht so hilfreich war. Was ich daraus gelernt habe und jetzt anders mache.

Und woher kommt es, dass gerade heute so viele Leute ausbrennen?

Ein wenig Vorgeschichte dazu….

Mein Sohn ist inzwischen drei Jahre alt, doch ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit um seinen ersten Geburtstag. Ich habe ein Wunschkind bekommen, für das ich mir etwas wie alle Mütter überlegt hatte – bei mir war das, dass ich es natürlich aufwachsen lassen möchte.

Dazu zählten dann Familienbett und Langzeitstillen, beides Dinge, die ich selber nicht hatte und die ich meinem Sohn gerne geben wollte. Die Auswirkungen dazu für das spätere Leben sind für unseren Nachwuchs wirklich enorm, die Anbindung und Sicherheit an uns Eltern stark und unverwüstlich.

Ein natürliches Aufziehen bedeutet leider heutzutage oft mehr Anstrengung für die Eltern, da der Rückhalt und Unterstützung seitens Gesellschaft und Umfeld nicht gegeben sind. Das ist schade und kräftezehrend.

Ich möchte an dieser Stelle allen Müttern, die sich dazu entscheiden, sagen:

Ihr seid toll und wirklich auf einem sehr guten Weg, der viel Menschlichkeit bedeutet. Ich verneige mich vor Euch dafür. Sich einen eigenen Weg zu überlegen und auch zu leben – mit allem Gegenwind – ist wirklich beachtenswert.

(Anmerkung: ich verneige mich aber auch vor ALLEN Müttern, denn Kinder bekommen und aufziehen ist immer eine Mordsleistung!)

Sich anders als der Mainstream zu positionieren bedeutet aber immer noch einmal extra Einsatz oben drauf.

Ich glaube von ganzem Herzen, dass es für Mutter Erde und uns Menschen von großer Bedeutung ist, genau das zu tun.

Wie Ihr wahrscheinlich schon heraushören könnt, haben mein Mann und ich wenig Unterstützung erhalten – und es trotzdem so gemacht.

Und im Rahmen der durchwachten Nächte raste ich dann ich praktisch blind in einen umfassenden Burnout.

Wie hat dieses Ausgebranntsein sich nun für mich angefühlt?

Meine Nerven waren quasi ständig überlastet. Das Blut in meinem Gehirn rauschte wie brennend durch die Bahnen. Meine Augen zitterten selbst im Ruhezustand im Bett. Einschlafen und durchschlafen wurden zu einer Tortur, Panikanfälle mit Herzrasen und Zittern kamen dazu.

Ich hatte kaum noch lachen auf den Lippen. Morgens nach dem Aufstehen fühlte ich mich wie gerädert. Ein Nickerchen half vielleicht (und veränderte das Schlafmuster noch mehr), aber eigentlich fühlte ich mich den ganzen Tag über platt und wie nicht ganz da.

Ich war körperlich ziemlich schwach und ausgelaugt. Lust, viel zu machen hatte ich nicht mehr.

Ich war erschöpft. Müde. Völlig platt.

Ich war immer dermaßen gereizt, dass ich alles viel zu persönlich nahm und bei Mann und Sohn eben nicht mehr so liebevoll reagieren konnte.

Zusammengefasst: es fühlte sich scheußlich an. Tat weh. Eine Riesennot. Ich wollte es so gar nicht haben. Und wollte, dass es möglichst schnell aufhört.

Was es natürlich nicht tat.

Wenn Du das kennst oder gerade in einer ähnlichen Situation bist, dann möchte ich als erstes Dir sagen:

Ich sehe Dich. Ich kenne das. Es fühlt sich einfach wirklich nicht schön an. Ich öffne mein Herz und meine Arme, um Dich sanft mit Mitgefühl zu empfangen.

Das ist der erste Schritt. Das Erkennen und Bewusstwerden.

Für mich war das echt schwer. Denn ich will einfach vieles immer so richtig und perfekt machen. Und denke dann noch, wie meine Mama und andere Mütter es hinbekommen haben… Da fiel und fällt es mir schwer zu sagen:

Ich kann nicht mehr. Ich bin total durch.

Ich kam mir vor wie ein Versager. Aber das ist natürlich und Unsinn, ein Gedanke, der wehtut und einem einfach so gar nicht hilft. Wenn die Nerven aber so durchdrehen ist mir aufgefallen, dass eh allmöglicher Quatsch im Gehirn unterwegs ist, das einem noch mehr das Wasser abgräbt.

Ihr hört es: total unschön das Ganze.

 

Und nun zum spannenden Teil: was können wir Frauen da machen?

Für mich gibt es folgende Schritte:

  • Bewusstwerden
  • Hilfe suche
  • Sport als Ausgleich
  • Richtig entspannen
  • Sich selber nähren
  • Selbstmitgefühl

Bewusstwerden

Ich habe es bereits oben angesprochen: ein wichtiger Teil ist, sich klarzumachen und dann auch auszusprechen, dass etwas nicht stimmt und es so einfach nicht weitergehen kann.

Sich seine Gefühle einzugestehen ist oft mit das Schwerste, zusammen damit, dass man keinen Widerstand hochfährt und es aushält.

Denn ein Burnout kommt unverhofft und unwillkommen, zeigt am Ende aber auf die Stellen, die anzuschauen und zu verändern sind.

Das ist ein ganz wichtiger Punkt beim Burnout, aber auch bei allen anderen Dingen, die unangenehm scheinen. Die Welt selber spielt einem oft nur den schönen Schein vor, dabei dann authentisch zu sein und zu leben ist Heilung pur. Für uns alle.

Die für uns dunklen Momente werden verdrängt und versteckt, dabei sind sie doch auch die Phasen, die uns besonders weit bringen. Und wie wir damit umgehen, entscheidet oft über die Qualität und Dauer.

Will ich damit den Burnout schönreden? Mitnichten. Ich will ihm den Schrecken nehmen, um ihm dennoch den Raum zu geben, den er sich so lautstark nimmt.

 

Der Ruf nach Hilfe

In unseren stressigen Zeiten heutzutage, in denen auf uns Frauen immer noch so viel Druck ausgeübt wird oder wir uns Druck machen, innezuhalten und zu sagen, ich brauche Hilfe, ist der nächste Schritt.

Welchen Druck meine ich?

  • Alles alleine schaffen zu müssen.
  • Als Mutter perfekt sein zu müssen.
  • Zu stolz zu sein, sich Fehler und Schwächen einzugestehen.

Denn insgesamt ist es ein Wahnsinn, den wir momentan leben – wir Menschen lebten bis jetzt immer in Gemeinschaften. Arbeit wurde geteilt. Nur heute im Rahmen von Kleinfamilien bleibt alles plötzlich auf zwei Menschen hängen. Verrückt.

Ich habe verschiedene Formen von Hilfe gesucht. Zum einen sind wir umgezogen, damit wir doch Großeltern für unseren Sohn in der Nähe haben, die uns den Kleinen nachmittags stundenweise abnehmen konnten. Ich bin sehr, sehr dankbar dafür, dass wir diese Möglichkeit gefunden haben.

Wenn es keine Großeltern in der Nähe gibt, dann schaut Euch doch vielleicht nach etwas anderem um, was zu Euch passen könnte. Kindergarten, Leihoma, Babysitter. Wenn Du im Burnout gerade die Kraft nicht hast, kann Dein Partner vielleicht mal Telefonate, etc. dazu übernehmen?

Der Partner ist eh ein wichtiger Ansprechpartner. Zum einen muss er verstehen, was Burnout bedeutet. Zum anderen braucht er eventuell auch Entlastung. Und zum Dritten kann ich nur sagen: bitte nicht zu viel streiten. Ein wenig von „Ich fühle mich…“ sprechen, um den anderen auch ins Boot zu nehmen. Das war eine der großen Hürden in meiner Partnerschaft, die genommen und aus der wir gelernt haben.

Mit dem Burnout gehe am besten auch zum Arzt. Der ist oft als erster ein sehr guter Ansprechpartner und man kann körperlich abklären lassen, ob was nicht stimmt, und natürlich auch das geistig-emotionale mit einbringen. Ich finde auch, sich Hilfe in Form einer Gesprächstherapie zu suchen, ist auf jeden Fall extrem empfehlenswert. Mir hat das wöchentliche Gespräch wirklich sehr geholfen. Zum einen weil ich zuhause raus kam, zum anderen weil diese Stunde nur mir gehörte. Ich habe viel gelernt darüber, wie ich vor allem kognitiv mit mir umgehen konnte.

 

Sport als Ausgleich

Lange habe ich mit meinen Schlafstörungen gedacht, mehr Schlaf und mehr im Bett liegen sei die Lösung. Das stimmt aber so nicht ganz.

Klar, wenn man lange nicht durchgeschlafen hat, ist eine Nacht voll Schlaf traumhaft. Ja, wahrlich traumhaft.

Aber…

Der Körper wird noch schwächer und kann seine Anspannungen nicht loswerden. Ich habe vom Arzt Reha-Sport erhalten, was für mich aber dann doch keinen Sinn gemacht hat, da ich zwar schwach, aber noch nicht alt war. Manche dieser Angebote sind ausgelegt für ältere Menschen. Das hat auch seinen Sinn, aber auf mich traf fehlende Mobilität nicht zu.

Daher habe ich in meiner Kleinstadt nach Yoga umgeschaut. Und muss sagen: auch die Yogastunden haben mir sehr aus dem Burnout geholfen. Ich habe verschiedene Techniken ausprobiert, darunter Hatha Yoga, Yin Yoga und Aerial Yoga. Gerade Yin Yoga ist für Frauen eine besonders gute Technik, da hier viel auf Dehnen und Entspannen ausgelegt ist. Ideal! In 90 Minuten bin ich oft so runtergekommen, das war herrlich. Und meine Rückenschmerzen gingen auch zurück.

Für mich war es Yoga, für Euch kann es Pilates, Taichi, Qigong oder ganz was anderes sein. Ich denke, eine Richtung, die Entspannung und eine gewisse Anstrengung zusammenbringt, ist hier von Vorteil. Aber: jeder Sport, anfangs moderat ausgeführt, kann das Ausgebranntsein reduzieren.

Es lohnt sich, seinen Schweinehund, in welcher Form auch immer er auftaucht, zu nehmen und loszugehen.

 

Richtig zur Ruhe finden

Ein großer Punkt.

Ich habe anfangs und immer wieder gar nicht zurück zur Ruhe gefunden. Ich glaube, der Umgang mit Stress ist immer noch meine absolute Schwachstelle. Hier heißt es für mich, üben, üben, üben.

Dadurch, dass mein Sohn dann bei Oma und Opa war, kam Ruhe auf. Das war ein erster Teil.

Ich habe dann auch angefangen, mich mehr über Entspannungstechniken und Atemübungen zu informieren.

Mit Kopfhörer finde ich auf youtube immer sehr gute Sachen. Ich kann gut Englisch und habe daher immer „healing meditation for stress relief“ eingegeben. Auch gut sind Traumreisen, Schamanische Musik, Indische Musik, Musik von Harfen oder einfach Meeresrauschen. Damit lege ich mich dann hin und horche einfach mal rein.

Ganz große klasse sind auch Meditationen zum Thema Achtsamkeit. Das sind oft Reisen durch den Körper, mit denen man sich einfacher besser spürt. Ich habe so viel Schmerz in meinem Körper während des Burnouts gespürt, dass ich einfach auch abgeschnitten war von mir. Diese Übungen haben mir sehr viel geholfen.

Eine tolle Atemübung ist eine, die ich aus meinen Yoga-Stunden mitgenommen habe. Wichtig dabei ist, dass das ausatmen länger ist als das einatmen. Ich zähle beim Einatmen bis 4, warte dann bis 6 und zähle beim Ausatmen hoch bis 12 oder 14, je nachdem, wie lang mein Atem ist. Dann kommt meistens der Reflex zum Einatmen wieder und ich beginne von neuem .

Mit dieser Atemtechnik wird der Parasympathikus stimuliert, der für unsere Entspannung, dem Runterkommen und Loslassen zuständig ist. Probiert es am besten mal aus.

 

Seinen Brunnen füllen

Wenn man so tief in die Überlastung rutscht, zeigt sich auch, dass man sich selber so richtig vergessen hat. Zumindest ist das meine Erfahrung. Man ackert und rackert für die Kinder, die Familie, für das tägliche Leben – und bleibt als Frau und Mensch auf der Strecke.

Kraft finden durch Schönheit, Genuss und Verwöhnen ist hier ein Stichwort.

Was mir also so richtig, richtig durch meinen Burnout geholfen hat, sind folgende Dinge:

  • Online Frauen Foren
  • Kreativität
  • Verwöhnen, z.B. durch wohltuendes Baden uns Sauna
  • Verbindung mit der Natur

Ich habe durch meine Umzüge auch Freunde zurückgelassen und musste mir da irgendwie weiterhelfen. Ich habe mich selber isoliert und konnte nicht so gut darüber reden, was los war. Ich habe mich einfach nicht getraut…

Und dann habe ich mich Online Frauen Foren zugewandt. Ich habe Leonie Dawson und ihre Akademie gefunden, in der Frauen sich treffen, um Träume zu leben, aber auf um sich im alltäglichen Leben zu unterstützen. Eine wahre Wohltat, die mich wirklich gerettet hat.

Eine weitere wichtige Stütze habe ich in den Awakeningwomen von Chameli Ardagh gefunden. Auch hier treffen sich Frauen, um spirituell miteinander zu wachsen und zu leben. Ich denke, hierdurch ist für mich auf die Spiritualität zu einem noch größeren Teil meines Lebens geworden. Der Glaube an die große Kraft von Mutter Erde und der Urquelle bringt auch mir viel Licht und Liebe.

Ich bin sehr, sehr dankbar für jede Frau, der ich in diesen beiden Gruppen begegnet bin.

In diesem Rahmen erwachte meine verlorene Kreativität – und tut es noch. Ich wage zu behaupten, dass in jeder Frau verborgene Schätze liegen, eine eigene Magie. (Wenn Du übrigens mehr darüber und meine Arbeit erfahren willst, melde Dich doch für mein Ebook rechts oben an – und erlebe es hautnah an Dir.)

Ich male, fotografiere, schreibe, bearbeite meine Bilder, bastele und erlebe immer weitere schöne Möglichkeiten, meine Kreativität zu leben. Das ist sehr nährend.

Ebenfalls bewährt und ganz einfach anwendbar sind auch die letzten beiden wichtigen Punkte: sich verwöhnen und rausgehen. Beides bleibt auch auf der Strecke. Sich ein wohltuendes Bad mit wunderbaren Düften einlaufen zu lassen oder einfach beim Spazierengehen den Blick wandern zu lassen sich simple und doch stärkende Hilfsmittel.

Vielleicht fallen Dir dazu auch noch andere Dinge ein, was für Dich „verwöhnen“ bedeutet. Ich kaufe mir auch selber Blumen, einfach, um mich zu erfreuen. (Oder gebe meinem Partner einen kleinen Hinweis….).

  • Ein gutes Buch.
  • Schokolade
  • Eine wohlriechende Lotion.
  • Eine Tasse wohligen Tee.

Und alles, was sich für Dich gut und nährend vorkommt.

 

Selbstmitgefühl

Das ist der Höhepunkt des ganzen Textes hier für mich.

Meine Erfahrung im Burnout war tiefgehend wie nichts, aber ohne das Selbstmitgefühl hätte ich nicht die Lektionen lernen können. Denn ich hätte sie einfach nicht hören können.

Ich will, dass Ihr genau wie ich einen ganz kleinen Moment der Ruhe in Euch findet und sagt: ja, es ist nicht schön, aber so ist es jetzt. Ich fühle mich nicht gut. Und ich nehme mich selber ganz feste in die Arme. Oder ich sage anderen, z.B. meinem Partner, dass ich dringend in den Arm genommen werden möchte.

Sanft sein, weich werden, den Druck rausnehmen, eben Selbstmitgefühl leben, darum geht es insbesondere.

Meine größte Lektion: auf mich selber achten. Fehler verzeihen. Schwächen akzeptieren. Mein Herz nehmen und alles darin aufnehmen.

Liebe verwandte Seele, liebe Zauberfrau, ich fühle und halte Dich. Falls es Dir gerade nicht gut geht damit, dann wisse, Du bist nicht allein. Es ist jetzt schlimm, aber es geht vorbei.

 

Ausblick

Kommt der Burnout wieder? Das kann sein, meiner Erfahrung nach aber in abgemildeter Form. Es kommt da sehr auf einen selbst an. Je mehr wir darauf achten, wie wir mit uns umgehen, und lernen, uns gut um uns zu kümmern, desto geschützter sind wir dann. Außerdem können wir durch unser erstes Durchleben die frühen Anzeichen erkennen, wenn sich die Erschöpfung ankündigt. Zumindest ist es bei mir so gewesen und aus Erzählungen von Frauen, die das ebenfalls erlebt haben.

Ein Burnout kann wie alle tiefen Krisen auch ein Quell starker Botschaften sein, z.B. wenn es darum geht, eine neue gute Selbstpflege zu entwickeln.

Und zum Abschluß eine letzte Botschaft an alle, die einen Burnout erlebt haben oder gerade erleben:

Du bist stark, auch in Deinem Burnout.

Schaue in die Wolken.

Spüre das Gras unter Deinen Füßen.

Achte mehr auf Dich und Deine Kräfte.

Das ist das Wichtigste.

In Liebe

 

 

 

 

 

 

 

 

P.S.: Möchtest Du direkt die Musik und Meditationen nachhören, dann hier nun meine wärmsten Empfehlungen: QiGong – Wohlbefinden Durch Ruhe Und Gelassenheit Vol. 1 und Healing Meditation.

 

 

 

 

 

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